Heute nicht?

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Keine Zeit!

Tausend  – wenn nicht millionenfach gehörtes Argument, wenn es darum geht, ein Training ausfallen – oder den Sport gleich ganz bleiben zu lassen…

In einer Welt, in der viele von uns tagtäglich wahre Trapezakte vollführen, um alles unter einen Hut zu bringen, scheint oft kein Platz zu bleiben für luxuriös – zeitraubende Tätigkeiten wie z.B. Ausdauersport…

Doch halt! Bewegung, in weiterer Folge in Form von Sport, ist kein Luxus, sondern für die meisten von uns schiere Notwendigkeit für Körper und Seele. Und da uns die bewegungsarme Hochleistungsgesellschaft körperliche Aktivität in bezahlten Jobs und vielen sonstigen Notwendigkeiten des Lebens weggenommen hat, müssen wir sie nun in Privatinitiative in der Freizeit nachholen. Viele Versicherungen und Krankenkassen haben bereits die Notwendigkeit, dieses Tun zu fördern, erkannt. Es scheint aber in vielen Köpfen noch nicht verankert zu sein.

Nun gut, doch woher (die Zeit) nehmen und nicht stehlen?

Da gibt es leuchtende Beispiele wie die vollzeit-berufstätige Spitalsärztin Andrea MAYR, die weiter Rekorde aufstellt. Da gibt es einige laufende Mütter in der Weltklasse. Aber was tu ICH, wenn ich erstens beides nicht bin und zweitens andere Prioritäten und ein anderes Umfeld habe als eine Spitzensportlerin?

Nun, eine „Etage tiefer“, bei den vielen Amateursportlerinnen, ist Zeitmangel sehr oft sehr wohl ein Thema, in den seltensten Fällen lassen sich „geeichte Sportlerinnen“ dadurch allerdings vom Training abhalten. Teilweise muss frau natürlich Abstriche machen, schafft es aber doch, einen guten Trainingszustand zu erreichen zu verwalten.

Ein paar Punkte, die auffallen:

  • Stellenwert: In den seltensten Fällen hat der Sport oberste Priorität, er ist in der persönlichen Werteskala aber doch recht weit oben gereiht, so weit oben zumindest, dass es triftiger Gründe bedarf, ihn ausfallen zu lassen..
  • Gewohnheit/Abläufe: Die Laufschuhe müssen nicht erst aus der Kommode gekramt werden, die Klamotten sind stets griffbereit, vielleicht sogar im Auto oder am Arbeitsplatz. Wo frau duschen kann, ist abgesprochen und x – fach erprobt. Klar dauert es ein Weilchen, bis solche Abläufe reibungslos funktionieren, die Investition lohnt sich aber.
  • Umfeld: Die Menschen in ihrer Umgebung sind längst daran gewöhnt, dass frau regelmäßig trainiert. Wenn das nicht von Jugend an der Fall war, hat es sicherlich irgendwann einen Anpassungprozess gegeben, vielleicht sogar Reibungspunkte. Wenn frau ihre Lieben aber nicht gerade von einem Tag auf den anderen mit einer 180°-Wende überfordert, wird sie höchstwahrscheinlich feststellen, dass sich das System rasch einspielt.
  • „Egoismus“: Ja, eine gesunde Portion davon gehört auch dazu. Oft ist es aber auch das sich Eingestehen, dass frau nicht in jeder Situation unentbehrlich ist. Und: Wenn es frau besser geht, dann haben alle was davon, Kinder und Partner inklusive.
  • Benefit: Die immer wiederkehrende Erfahrung, dass Bewegung Körper und Seele belebt, selbst wenn sich frau beim Start zur Trainingseinheit hundemüde gefühlt hat. Sie lernt auch, psychische, stressbedingte Müdigkeit als solche zu erkennen: Dann ist Bewegung fast ein Wundermittel und ein idealer Ausgleich. Auch Müdigkeit z.B. vom Herumstehen oder körperlich nicht allzu anstrengenden Arbeiten ist bei entsprechendem Trainingszustand rasch überwunden und bessert sich mit der Bewegung. Im Gegenzug macht sich verbesserte Fitness auch im Alltag bemerkbar, indem frau Alltagsbelastungen physischer Art besser wegsteckt.
  • Individuelle Lösungen: Es gibt so viele Lebensumstände wie Frauen, manchen helfen Fixtermine wie Lauftreffs oder -partnerinnen, andere mögen’s oder brauchen’s flexibel…
  • Kinder: „Manchmal denke ich mir während eines Laufes: Wenn ich jetzt nicht laufen würde, könnte ich … mehr für meine Kinder da sein. Und eine Minute später: Wenn ich kein Kinder hätte, dann könnte ich jetzt …“ – der O-Ton einer erfahrenen Sportlerin. Oft gerät eine Frau als Mutter in Gewissenskonflikte, wem sie Zeit raubt bzw. schenkt. Andererseits macht sie der Sport dann wieder lockerer und entspannter, aber dahin muss frau erst mal kommen. Gerade in der heutigen Zeit darf aber auch darauf hingewiesen werden, dass Kinder meist auch Väter haben, viele Sportlerpaare sind hier Vorbilder und -reiter einer modernen partnerschaftlichen Aufgabenteilung. Babybuggies eignen sich gleichermaßen für Mütter wie Väter, auch wenn frau bei diesen Geräten auf dosierten Einsatz und saubere Körperhaltung achten sollte..

Allgemein gilt

Der Unterschied zwischen Ausrede und Argument lässt sich nur in der Praxis herausfinden. Wenn es notwendig ist, sich gelegentlich in den Hintern zu treten, damit frau sich nachher besser fühlt, dann sollte sie nicht zögern, es zu tun – es muss ja nicht jeden Tag sein! Wenn es aber nicht der „innere Schweinhund“ ist, der protestiert, sondern es sich um das berechtigte Signal des Körpers handelt, sich nicht zu überfordern, dann sollte frau dieses nicht dauerhaft missachten.

„Kompromisslos“ erscheinen Sportlerinnen nur nach außen, in Wahrheit steckt das „Erfolgsgeheimnis“ in einer Vielzahl kleiner Kompromisse, die dafür sorgen, dass weder Körper noch Seele zu kurz kommen.