Pech

P wie Pech – Aus dem Leben einer Läuferin

zzzzz

Das Glück ist ja bekanntlich nicht immer auf jederfraus Seite, so auch im Sport.
Dass es nicht immer rund läuft und dass frau auch ziemlich vom Glück verlassen werden kann im Sportlerleben hab ich in meiner bisherigen Läuferkarriere schon öfters am eigenen Leib erfahren:
So gab es zum Beispiel ein offenes Schuhband, das mir mehr oder weniger den Sieg kostete oder Halsweh, das mich plötzlich am Morgen eines wichtigen Wettkampfes plagte und den Tag mit Fieber enden ließ, dazwischen (natürlich) ein verpatzter Lauf. Alles nicht schön, aber wohl Teil des Lebens…
Doch erst vor kurzem musste ich erfahren, wie dick es kommen kann, wenn du einfach so richtig Pech hast in einem Rennen.
Meine Trainerin und ich entschieden, dass ich im deutschen Regensburg über 1500m an den Start gehen sollte. Ich freute mich auf dieses Mittelstreckenrennen, obwohl die1500m für mich als Langstreckenläuferin doch eher eine Unterdistanz sind.  Aber ich reiste in Topform nach Deutschland und so sollte über die 3 3/4 Stadionrunden eigentlich meine Bestzeit fallen.
Bei sehr heißen Bedingungen stand ich also äußerst motiviert, optimistisch und mit dem guten Gefühl am Start, optimal vorbereitet zu sein. Was sollte noch schiefgehen??
Nun,sofort nach dem Startschuss gab es Rangeleien, welche bei Mittelstreckenrennen keine Seltenheit sind. Ich war leider mitten darunter, schaffte es allerdings dann doch bald, mich an die 2. Stelle des Feldes zu setzen. Eine gute Position, wir liefen allerdings nicht allzu schnell. Ich versuchte, Druck auf die Führende zu machen, um das Tempo hoch zu halten, wollte ich doch eine gute Zeit laufen. Ungefähr zur Rennhälfte verschärfte ich das das Tempo, gleichzeitig versuchten einige andere Athletinnen,sich ebenfalls an die Spitze zu setzen, es kam wieder zu Stoßereien und da passierte es: In dem Tumult lief eine Läuferin von hinten auf mich auf und stieg mir so auf meinen linken Schuh, dass ich herausrutschte!! Ich bemühte mich den Spike auf meinem Fuß zu halten – vergeblich! Es war passiert, Schuh verloren!! Alles ging so schnell, ich war komplett irritiert und wusste im ersten Moment gar nicht, was ich tun sollte. Kurz war der Gedanke da, auszusteigen, ich entschied mich aber, einfach weiterzulaufen. Ich erinnerte mich an Rennen, die ich frühzeitig beendet hatte und beschloss, dass Aufgeben keine Option wäre. Die Konzentration allerdings war völlig verloren, ich lief mit nur einem Schuh und schon nach wenigen Metern stellte ich fest, wie schwer es war, so zu laufen. Mir war bewusst, dass mir die Bestzeit im wahrsten Sinne des Wortes davongelaufen war. Nach und nach wurde ich von anderen Läuferinnen überholt, ich fühlte mich extrem unwohl, wollte einfach nur das Ziel erreichen und so absolvierte ich irgendwie halbherzig und vor allem schuhlos die letzten 2 Stadionrunden. Die Zeit blieb bei 5:04 stehen, damit war ich weit von einer neuen Bestleistung entfernt. Ich war enttäuscht und verärgert zugleich, warum hatte das alles so kommen müssen?
Später entschied ich, mich nicht meinem Ärger und meiner Enttäuschung hinzugeben, sondern das Rennen abzuhaken und schnellst möglich zu vergessen. Es hat keinen Sinn, weiter darüber zu grübeln, es sollte nicht sein, ich hatte einfach Pech.
Aus Erfahrungen lernt man ja bekanntlich, vielleicht werd ich auch irgendwann von dieser profitieren.
Die nächste Chance, meiner persönlichen Bestleistung den Kampf anzusagen, kommt bestimmt, vielleicht ist ja dann das Glück wieder auf meiner Seite.

(Sophie GRABNER)